Warum wir für jeden Kunden eine andere Bildwelt entwerfen.

Warum wir für jeden Kunden eine andere Bildwelt entwerfen.

«Warum haben eure Bilder immer einen anderen Look?»

Diese Frage kommt regelmässig.
Und sie irritiert mehr, als man denkt.

Weil sie etwas offenlegt, das viele im Business verdrängen:
Die Erwartung, dass gute Fotografie immer gleich aussehen sollte, weil man es in den sozialen Medien geshen hat, die typischen Instagram-Looks.


Der Wunsch nach einem festen Stil ist verständlich – aber gefährlich

 

In der Ausbildung wurde mir genau das geraten:
<<Finde deinen Stil. Mach dich wiedererkennbar.>>

Ich habe lange versucht, diesen Stil zu finden.
Ein Look, der sich durchzieht, weil man es ja so macht.
Eine Bildwelt, die sofort als «meine» erkennbar ist.

Es hat nicht funktioniert.

Nicht, weil ich es nicht konnte –
sondern weil es sich einfach falsch angefühlt hat.

Denn jedes Projekt hat sich dagegen gewehrt, jeder Kunde, jeder Auftrag, jedes Projekt ist so anders und es fühlt sich falsch und ungerecht an, meine Auftraggeber in eine Vorlage zu quetschen.


Was passiert, wenn man einen Stil über alles stellt

Schau dir Instagram oder LinkedIn an.

Du siehst:

  • gleiche Lichtsetzung
  • gleiche Farblooks
  • gleiche Perspektiven
  • gleiche Bildaufbauten

Die Gesichter wechseln.
Die Unternehmen wechseln.
Die Bildwelten bleiben gleich.

Das Problem ist nicht, dass es schlecht gemacht ist.
Im Gegenteil – oft ist es technisch perfekt und es entspricht einer Norm.

Das Problem dabei ist:
Es erzählt nichts mehr, es sieht alles gleich aus, vielleicht mal ein anderes Gesicht aber man weiss nicht mehr ob es Coach XY, KMU ZZ oder Finanzdienstleister XX, es ist egal, weil alles gleich aussieht.


Stil wird zur Abkürzung – und zur Ausrede

Ganz klar, ein fixer Bildstil gibt Sicherheit.

Für Fotograf*innen:
Weniger Entscheidungen, klare Prozesse, reproduzierbare Ergebnisse.

Für Kund*innen:
Sie wissen, was sie bekommen.

Aber genau darin liegt, meiner Meinung nach die Schwäche.

Wenn ihr euch für einen Stil entscheidet, bevor ihr euch mit dem Inhalt auseinandersetzt, passiert Folgendes:
Die Bildsprache entsteht nicht aus euch – sondern sie wird euch übergestülpt.

IHR passt euch einem Stil an.
Nicht die Bildsprache an euch und eurer Profession und das entspricht einfach nicht unseren Werten.


Warum ich mich bewusst dagegen entschieden habe

Ich konnte nie einen Stil entwickeln, der für alle funktioniert.
Weil er es nicht kann.

Ein Architekturbüro braucht eine andere Sprache als eine Therapeutin.
Ein Handwerksbetrieb eine andere als ein Start-up.
Eine Führungsperson eine andere als ein Team.

Und selbst innerhalb eines Unternehmens:

  • mal braucht es Nähe
  • mal Distanz
  • mal Klarheit
  • mal Emotion

Ein fixer Stil ist dafür einfach zu eindimensional, wie wir finden.


Bildlook ist nicht gleich Identität

Das wird oft verwechselt.

Viele glauben, der Stil sei die Identität des Fotografen.
In Wahrheit ist er ein Werkzeug.

Und ein Werkzeug muss sich anpassen.

Das bedeutet konkret:

  • Licht wird gesetzt, um Charakter zu zeigen – nicht um einen Look zu erfüllen
  • Farben entstehen aus Kontext – nicht aus Presets
  • Perspektiven werden gewählt, um Wirkung zu erzeugen – nicht um Wiedererkennung zu sichern

Was entsteht, ist keine Serie von ähnlichen Bildern.
Sondern eine präzise visuelle Übersetzung.


Der unbequemere Weg

Ein individueller Look ist aufwendiger. That`s a fact.

Er verlangt:

  • mehr Fragen
  • mehr Klarheit
  • mehr Entscheidungen
  • mehr Verantwortung

Ihr könnt euch nicht hinter einem Stil verstecken, das ist zu bequem. 
Weder als Fotograf*in noch als Kunde.

Und genau deshalb wählen viele den einfacheren Weg.

Ein wiederholbarer Stil ist effizient aber einsilbig. 
Ein individueller Ansatz ist ehrlich aber herausfordernd.


Warum sich «anders aussehen» richtig anfühlt

Wenn Bilder sich unterscheiden, heisst das nicht, dass etwas fehlt.
Es heisst, dass etwas getroffen wurde.

Nämlich der Punkt, an dem ein Unternehmen beginnt, visuell ernst genommen zu werden und sich von den Mitbewerbern abzuheben,

Nicht, weil es einem Trend folgt.
Sondern weil es sich selbst zeigt.

Ich habe dazu einmal einen treffenden Satz gelesen:

«Das RAW-Bild ist, wie wir die Welt sehen – die Bearbeitung ist, wie wir Fotograf:innen die Welt fühlen.»
Darum kann nicht jeder Filter, jedes Pre-Set auf alle Projekte gleich funktionieren. 



Wenn du Bilder willst, die nicht austauschbar sind, musst du aufhören, nach einem Stil der einfach nur gefällt zu suchen – und anfangen, nach deiner Wirkung zu fragen.